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Teilleistungsstörungen und Lerntherapie

Ein neues Berufsbild - Psychologischer Lerntherapeut BDP per 13.10.2014
von Dipl. Psych. & Erwachsenenpädagogin M. A. Martina Petri

Schwierigkeiten beim Erwerb von Lesen, Schreiben und Rechnen gab es schon immer. Aber erst in den letzten Jahrzehnten hat sich ein neues Betätigungsfeld entwickelt, indem zunächst insbesondere Pädagogen etwa als Legasthenietrainer tätig waren. Noch recht jung ist das Berufsfeld der Lerntherapie. In diesem Bereich "tummeln" sich ganz unterschiedliche Akteure mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss und auch nichtakademisch ausgebildete Personen sind hier tätig. Der Begriff "Lerntherapie" ist ebenso wenig gesetzlich geschützt wie die Berufsbezeichnung "Lerntherapeut". Es hat sich ein wachsender Markt für mehr oder weniger gute Therapie- und Fortbildungsangebote entwickelt.
Jedoch gab es bisher noch keine Fortbildung, die sich gezielt an Psychologen wendet. Die Fachgruppe für Lerntherapie und Teilleistörungen hat sich seit Helmut Wexler die Gruppe neu aktiviert hat, für die Etablierung dieses neuen Berufsbildes eingesetzt.
Wieso? Der eigene Werdegang, die Berufserfahrung und der Austausch in der Fachgruppe machten deutlich, wie wenig Literatur, adäquate Fortbildungsmöglichkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen existieren und zeitgleich wie groß der Bedarf bei Kindern, Eltern und Lehrern ist, adäquate und vor allem auch gut ausgebildete Ansprechpartner zu finden.
Was machen psychologische Lerntherapeuten? Sie führen Lerntherapien für Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene durch. Folgende Lernschwierigkeiten können zum Beispiel in einer Lerntherapie behandelt werden: Teilleistungsstörungen, mangelnde kognitive Basisfertigkeiten, Motivationsschwierigkeiten, geringe Anstrengungsbereitschaft, Konzentrationsprobleme oder Schwierigkeiten Lernaktivitäten nicht gut planen oder steuern zu können, eine negative Lernstruktur. Psychologische Lerntherapeuten beraten, führen Informationsveranstaltungen durch, bieten einschlägige Seminare und Workshops an und haben oft eine vermittelnde Funktion zwischen Eltern, Kindern und Lehrern. Zur Tätigkeit gehört die Diagnostik ebenso wie die Analyse von Zielen und Erwartungen, die Therapieplanung und Durchführung, die Dokumentation und die Evaluation der eigenen Arbeit.
Psychologische Lerntherapie berücksichtigt das Symptomtraining ebenso wie das Training kognitiver Basisfertigkeiten, die psychische Befindlichkeit und die Psychoedukation des sozialen Umfeldes. Ein abgeschlossenes Psychologiestudium garantiert grundlegendes Wissen zu Diagnostik, klinischer und allgemeiner Psychologie sowie Neuropsychologie, so dass ein psychologischer Lerntherapeut von Hause aus über wissenschaftlich fundiertes Wissen verfügt, um Lernstörungen richtig einordnen und seine eigene Tätigkeit von klinisch relevanten Störungen abgrenzen zu können.
Psychologische Lerntherapie verfügt über multimodale Behandlungsansätze, die sich bei verhaltenstherapeutischen, kognitiven, lerntheoretischen, neuropsychologischen und systemischen Verfahren bedienen.
Ein Psychologischer Lerntherapeut hat ausreichendes Wissen um diagnostische Ergebnisse zu verstehen und für den therapeutischen Prozess zu nutzen - ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu den pädagogisch vorgebildeten Lerntherapeuten! Ein kleines Fallbeispiel zum Schluss. Bei einem Kind wird eine Lese- und Rechtschreibschwäche festgestellt. Eine außerschulische Förderung wird empfohlen. In einer einschlägigen Einrichtung, die pädagogisch ausgerichtet ist, wird man sich stark - wenn nicht sogar ausschließlich - auf das Symptomtraining konzentrieren. Das ist aus psychologischer Sicht nicht ausreichend, um einen adäquaten Trainingserfolg erzielen zu können. Ein Psychologischer Lerntherapeut würde selbstverständlich auch im Symptombereich trainieren, aber zudem die Lernstruktur des Kindes analysieren, eine qualitative Diagnostik machen, die Motivation, Lernstrategien, Anstrengungsbereitschaft und den Attributionsstil berücksichtigen, die Ressourcen des Kindes emotional und lerntechnisch sowie Faktoren des schulischen und familiären Umfeldes einbeziehen.
Zudem verfügt ein Psychologischer Lerntherapeut über grundlegendes Wissen der Psychotherapie und die meisten Psychologen, die in diesem Bereich tätig sind, verfügen auch über psychotherapeutische Zusatzqualifikationen.
Das Zertifikat Psychologischer Lerntherapeut BDP bietet Psychologen aufbauend auf den im Studium bereits erworbenen Vorkenntnissen die Möglichkeit theoretische und praktische Kenntnisse für den Einstieg in das Berufsfeld Psychologischer Lerntherapeut zu erhalten. Hierzu gehören nicht nur einschlägiges Theoriewissen, sondern auch praktische Übungen, Aufbaukenntnisse zu den Rahmenbedingungen in der lerntherapeutischen Praxis, Supervision und Austausch mit Kollegen. Es macht möglich nicht mehr über Umwege, sondern direkt in dieses interessante und wichtige Berufsfeld einzusteigen.

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