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Teilleistungsstörungen und Lerntherapie

Definitionskriterien und Begriffsbestimmung per 05.02.2014

Als Teilleistungsstörungen in engeren Sinn werden starke Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens oder Rechnens bezeichnet, die nicht auf mangelnde Übung, Krankheit (z.B. hirnorganische Schädigungen) oder Abwesenheit vom Schulunterricht zurückzuführen sind. Es handelt sich um kognitive, sensorische oder andere Leistungsausfälle bei durchschnittlicher oder überdurchschnittlicher Intelligenz. Sie sind klar abzugrenzen von einer Lernbehinderung, bei der eine unterdurchschnittliche oder niedrige Intelligenz (IQ zwischen 70 und 84 ) nachgewiesen werden kann.
Die ICD-10 ist die internationale statistische Klassifikation von Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen, sie wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellt. Durch diese Klassifikation ist es möglich, in jedem Land der Welt die Krankheiten nach einem einheitlichen Schema zu erfassen. Laut dieser Klassifikation wird unter F81 Entwicklungsstörungen zwischen folgenden Teilleistungsstörungen unterschieden (ICD 10 GM-V Version 2010, Kapitel V. Psychische und Verhaltensstörungen - den genauen Text und die jeweils gültige Fassung finden Sie unter http://www.dimdi.de).
Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten (F81)
sind Störungen, bei denen der Fertigkeitserwerb von der frühen Entwicklung an gestört ist und nicht auf mangelnde Lerngelegenheiten, Folge einer Intelligenzminderung oder hirnorganische Schädigung/Krankheit zurückzuführen ist.

1. Lese- und Rechtschreibstörung (F81.0)
Die Beeinträchtigung der Lesefertigkeiten ist das Hauptkriterium für diese Diagnose, wobei unter Lesefertigkeiten das angemessene Vorlesen verstanden wird. Lesefertigkeit bedeutet, das geschriebene Wort wieder zu erkennen und zu artikulieren. Die Beeinträchtigung der Lesefertigkeit darf nicht durch das Entwicklungsalter, unangemessene Beschulung oder Sehprobleme erklärbar sein, sie kann aber ihre Ursache sowohl in der Fähigkeit Worte zu erkennen, als auch in der, diese zu artikulieren haben. Auch die Lesefähigkeit, d.h. das Textverständnis oder sinnentnehmende Lesen können betroffen sein.
Im Zusammenhang mit der Lesestörung ist häufig eine Rechtschreibstörung festzustellen. Die Rechtschreibstörung bleibt oft bis ins Jugendalter erhalten, auch wenn die Lesefertigkeiten und -fähigkeiten sich deutlich verbessert haben.
Die Definition der Lese- und Rechtschreibstörung nach ICD-10 kann eine Entwicklungsdyslexie, umschriebene Lesestörung oder einen "Leserückstand" einschließen. Nicht in diese Kategorie gehören eine Alexie (R48.0) oder Dyslexie (R48.0) ohne nähere Angaben oder eine Leseverzögerung infolge emotionaler Störungen (F93.-).

Im Bundesland Bayern wird unterschieden (Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, München, 09.12.1999) zwischen einer "Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie, Dyslexie) mit teilweise hirnorganisch bedingten, gravierenden Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsstörungen und einer vorübergehenden Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS), die in mehr oder minder starker Ausprägung eine Verzögerung im individuellen Lese- und Schreiblernprozess darstellt." ... "Legasthenie ist eine Störung des Lesens und Rechtschreibens, die entwicklungsbiologisch und zentralnervös begründet ist. Die Lernstörung besteht trotz normaler oder auch überdurchschnittlicher Intelligenz und trotz normaler familiärer und schulischer Lernanregungen. Die Beeinträchtigung oder Verzögerung beim Erlernen grundlegender Funktionen, die mit der Reifung des zentralen Nervensystems verbunden ist, hat demnach biologische Ursachen, deren Entwicklung lange vor der Geburt des Kindes angelegt oder durch eine Schädigung im zeitlichen Umkreis der Geburt bedingt ist. Legasthenie ist eine nur schwer therapierbare Krankheit, die zu teilweise erheblichen Störungen bei der zentralen Aufnahme, Verarbeitung und Wiedergabe von Sprache und Schriftsprache führt. Individuelle Ausprägungen und Schweregrade dieser Lernschwierigkeit ergeben sich durch unterschiedliche Kombinationen von Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, der Motorik und der sensorischen Integration. ..." Diese Unterscheidung bei der Begriffsbestimmung hat Folgen für die Wertung der Rechtschreibleistung in den bayerischen Schulen.

2. Isolierte Rechtschreibstörung (auch isolierte Rechtschreibschwäche) (F81.1) Hauptkriterium für diese Diagnose ist eine bedeutsame Beeinträchtigung in der Entwicklung der Rechtschreibfertigkeiten ohne zuvor bei der Entwicklung der Lesefertigkeiten und -fähigkeiten Probleme gehabt zu haben. Die Beeinträchtigung beim Erwerb rechtschriftlicher Fertigkeiten darf nicht durch das Entwicklungsalter, unangemessene Beschulung oder Sehprobleme erklärbar sein. Bei einer isolierten Rechtschreibstörung sind sowohl die Fähigkeit mündlich zu buchstabieren als auch Wörter richtig zu schreiben betroffen.

Diese Diagnose kann die umschriebene Verzögerung der Rechtschreibfähigkeit (ohne Lesestörung), aber keine Agraphie ohne nähere Angaben (R48.8) oder Rechtschreibschwierigkeiten durch inadäquaten Unterricht (Z65) oder mit Lesestörung (F81.0) beinhalten.

3. Rechenstörung (F81.2)
Kennzeichen dieser Störung ist eine Beeinträchtigung der Rechenfertigkeiten, die nicht durch Intelligenzminderung oder unangemessene Beschulung verursacht ist. Defizite sind in der Beherrschung grundlegender Rechenoperationen wie Addition, Subtraktion, Multiplikation oder Division, eher seltener die höheren mathematischen Fertigkeiten wie sie für Algreba, Trigonometrie, Geometrie oder Differential- und Integralrechnung betroffen.
Die Diagnose kann folgendes einschließen: entwicklungsbedingtes Gerstmann-Syndrom, Entwicklungsstörung des Rechnens, Entwicklungs-Akalkulie, aber keine Akalkulie ohne nähere Angaben (R48.8), keine kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten (F81.3) und keine kombinierten Rechenschwierigkeiten durch inadäquaten Unterricht (Z65)

4. Kombinierte Störungen schulischer Fertigkeiten (F81.3)
Laut ICD-10 ist dies eine kaum definierte Sammelkategorie für Störungen mit deutlicher Beeinträchtigung der Rechen-, der Lese- und der Rechtschreibfähigkeiten, die nicht durch Intelligenzminderung oder unangemessene Beschulung erklärbar ist. Diese Kategorie wird für Störungen verwendet, die die Kriterien für F81.2 und F81.0 oder F81.1 erfüllen, aber keine isolierte Rechtschreibstörung (F81.1), Lese- und Rechtschreibstörung (F81.0) oder Rechenstörung (F81.2) sind.

5. Sonstige Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten (F81.8)
Unter diese Klassifikation fällt die entwicklungsbedingte expressive Schreibstörung

6. Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten, nicht näher bezeichnet (F81.9)
In diese Klassifikation gehört die Lernbehinderung o.n.A., Lernstörung o.n.A. und die Störung des Wissenserwerbs o.n.A.

Unter F82 fallen die umschriebenen Entwicklungsstörungen der motorischen Funktionen, die nicht durch Intelligenzminderung oder neurologische Störung erklärbar sind. Die Klassifikation F82.1 benennt die Störung der Fein- und Graphomotorik.

Die kombinierte umschriebene Entwicklungsstörungen (F83) ist eine Restkategorie. Sie wird verwendet, wenn umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache, schulischer Fertigkeiten und motorischer Funktionen vorliegt, von denen jedoch keine so dominiert, dass sie eine Hauptdiagnose rechtfertigt, d.h. wenn zwei oder mehr Kategorien von F80.-, F81.- oder F82 erfüllt sind.

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