Sektion Klinische Psychologie
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Klinische Psychologen in der Neuropsychologie per 30.08.2013

Leitungsmitglieder:

• Janna Grünzig (Magdeburg)
Dr. Erich Kasten (Magdeburg & Lübeck) zur Person
Am Krautacker 25, D-23570 Travemünde


Tätigkeitsbericht 2012


Ambulante neuropsychologische Therapie wird Kassenleistung

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA), das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland, hat im November 2011 beschlossen, dass ambulante Neuropsychologie Kassenleistung werden muss. Damit schließt sich eine wesentliche Versorgungslücke.

Neuropsychologische Therapie wendet sich in erster Linie an die speziellen Bedürfnisse von Patienten mit erworbenen Hirnschäden wie z.B. Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma durch Unfall oder operierte Hirntumore. Im Rahmen der Behandlung dieser Gruppe von Patienten in Kliniken und Reha-Einrichtungen arbeiten Neuropsychologen schon seit über zwei Jahrzehnten, für die rund 40.000 bis 60.000 Patienten pro Jahr fehlte aber die Weiterführung dieser Versorgungsmöglichkeit im ambulanten Bereich.
1994 verabschiedete die Gesellschaft für Neuropsychologie (GNP) ein Curriculum zur Ausbildung zum "Klinischen Neuropsychologen", das wenige Jahre später von der Gemeinsamen Kommission Klinische Neuropsychologie mit Vertretern der Dt. Gesellschaft für Psychologie (DGPs), der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und auch vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) anerkannt wurde. Als Vertreter des BDPs war und ist Herr Prof. Dr. Erich Kasten Mitglied in der Gemeinsamen Kommission und arbeitete bereits über Jahre hinweg an dem Antrag zur Anerkennung der Klinischen Neuropsychologie mit. Er ist Leiter der Fachgruppe "Neuropsychologie" in der Sektion Klinische Psychologie des BDPs, die sich hier mit ihren Zielen einbringen konnte.
Im Jahr 2000 erfolgte eine erste Bewertung dieser Therapiemethode durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie; es wurde zwar festgestellt, "…dass die neuropsychologische Therapie für den Anwendungsbereich ‚Hirnorganische Störungen' bei Erwachsenen als ein theoretisch und empirisch hinreichend fundiertes und damit wissenschaftlich anerkanntes Therapieverfahren anzusehen ist". Kritisiert wurde aber, dass diese Therapieform im Prinzip nur für die Klassifikation F0 nach ICD-10 anwendbar ist. Erst im Jahr 2008 rang der Wissenschaftliche Beirat sich endgültig zu der Stellungnahme durch, dass "…die Neuropsychologische Therapie damit eine wissenschaftlich anerkannte Psychotherapiemethode" (jedoch kein eigenständiges Psychotherapieverfahren) ist.
Auf der Grundlage der Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats erfolgte eine Überprüfung der ambulanten neuropsychologischen Therapie auf Antrag des Verbandes der Angestellten-Krankenkassen und des Arbeiterersatzkassenverbandes. Mit Bekanntmachung vom 24. November 2011 veröffentlichte der Gemeinsame Bundesausschuss dann die "Änderung der Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung: Neuropsychologische Therapie". Damit wird die neuropsychologische Therapie den anerkannten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden angefügt. Der vollständige Text lässt sich auf der Internetseite der GBA nachlesen (www.g-ba.de).
Leistungserbringer sind Psychologische Psychotherapeuten mit Zulassung in einem Verfahren nach §13 der Psychotherapie-Richtlinien. Das ursprüngliche Ziel, neuropsychologische Behandlung neben Tiefenpsychologie/Psychoanalyse und Verhaltenstherapie als völlig eigenständiges Verfahren zu verankern, hat sich nicht durchhalten lassen. Bereits als Richtlinien-Therapeuten anerkannte Behandler müssen deshalb eine entsprechende neuropsychologische Weiterbildung (gemäß der Weiterbildungsordnung ihrer zuständigen Landeskammer) nachweisen, um künftig entsprechende Gebührenpositionen abrechnen zu können. Dazu ist allerdings zunächst noch die Festlegung der neuen Vergütungsziffern und -höhen für die Neuropsychologische Behandlung im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) notwendig.
Erich Kasten


MV Sektion Klinische Psychologie 23.-24.10.2010 in Rostock

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung hielt Herr Prof. Dr. Erich Kasten (Universität Lübeck) einen mit 2 Fortbildungspunkten vergüteten Vortrag über "Body integrity Identity Disorder" (BIID), einem relativ neuen Störungsbild, dessen Aufnahme in das DSM derzeit in Vorbereitung ist. BIID, früher als "Apotemnophilie" oder "Amputee Identity Disorder" bezeichnet, ist eine Veränderung des Körperschemas, bei der Menschen dauerhaft die Empfindung haben, dass Körperteile nicht zum eigenen Selbst gehören. Die betroffenen Personen sind der festen Überzeugung, nur durch eine Amputation den äußeren Körper in Einklang mit der inneren Identität bringen zu können. Bei dem überwiegenden Teil bezieht sich der Amputationswunsch auf ein oder beide Beine, seltenen auf einen Arm, z.T. wird sogar Querschnittslähmung gewünscht. Schon im Vorfeld wird durch Gebrauch von Krücken oder Rollstuhl ein Gefühl der erwünschten körperlichen Beeinträchtigung erzeugt. Da Ärzte bislang kaum eine ethisch vertretbare Möglichkeit haben, ein intaktes Körperteil chirurgisch zu entfernen, führen die Betroffenen, meist nach Jahren oder Jahrzehnten des Abwägens der Vor- und Nachteile, die Verstümmelungen dann irgendwann selbst durch oder lassen sich in Asien operieren. Bei einem Teil ist auch eine sexuelle Komponente vorhanden. Dabei empfinden sie Behinderte als sexuell attraktiv oder erregen sich durch die Vorstellung des eigenen, amputierten Körpers. Die Ergebnisse von Studien der Universität Lübeck belegen, dass die Betroffenen nicht wahnhaft oder psychotisch sind, testpsychologisch konnten so gut wie keine Abweichungen im Persönlichkeitsprofil erfasst werden. Die Symptomatik tritt nach den Lübecker Daten schon sehr früh auf, übereinstimmend berichten die meisten Betroffenen, dass sie bereits als Kinder Menschen mit Amputationen bewundert, nicht aber bemitleidet hatten. In seinem Vortrag stellte Prof. Kasten Beispiele einer Veränderung des eigenen Körperschemas vor, die auch beim Gesunden z.B. in Experimenten wie der "rubber-hand illusion", durch Drogen oder als Folge von neurologischen Schäden entstehen können. Im Vortrag wurden Modelle zur Erklärung dieser Störung vorgestellt und der Referent gab Hinweise zur Differentialdiagnostik. Weitgehende Verbreitung hat die Theorie eines Ansatzes gefunden, wonach schon zu einem frühen Zeitpunkt der kindlichen Entwicklung eine Störung des Körperschemas entsteht, deren Lokalisation allerdings in bildgebenden Verfahren bislang nicht belegt werden konnte. Psychotherapie führt zwar zur Erleichterung, nicht aber zum Verschwinden des Amputationswunsches; auch Behandlung mit Antidepressiva oder anderen Psychopharmaka zeigte bislang kaum Erfolge. Wie bei Transidentität erwächst aus dieser Nicht-Übereinstimmung von mentaler und körperlicher Identität oft erhebliches Leiden. Das ständige Gefühl, nicht man selbst zu sein und es auch nicht sein zu dürfen, Tabus, Verbote und Angst vor Ablehnung vermitteln Scham. Schuldgefühle wegen dieser obskuren Begierde verdunkeln das Alltagsleben der Betroffenen zusätzlich.


JAHRESBERICHT 2009 der FACHGRUPPE "NEUROPSYCHOLOGIE"

Die Leitung der Fachgruppe Neuropsychologie stand auch im letzten Jahr wieder für viele Anfragen von Kollegen zur Verfügung.

Hierbei handelte es sich in erster Linie um Fragen nach Ausbildung zum Klinischen Neuropsychologen, Möglichkeiten der späteren Niederlassung und insbesondere Abrechnung neuropsychologischer Leistungen.

Parallel wurden Fragen von Patienten beantwortet, die in Nähe ihres Lebensschwerpunktes eine neuropsychologische Behandlung suchten.

Dritter Bereich waren bereits in der Neuropsychologie tätige Kollegen, die nach dem Stand der berufspolitischen Aktivitäten fragten. Diese Aktivitäten werden zur Zeit sehr wesentlich von der Gesellschaft für Neuropsychologie betrieben, die Fachgruppe "Neuropsychologie" ist hier nur für gelegentliche Fachfragen beratend involviert. Der Stand hat sich leider in den letzten Jahren nicht gravierend verändert. Die Kostenträger weigern sich weiterhin, ambulante neuropsychologische Therapie zu bezahlen. In einem aktuellen Telefongespräch mit PD Dr. Sebastian Bodenburg in Hamburg wurde darauf hingewiesen, dass Gerichtsprozesse wegen Verfahrensfehler im Sande verlaufen sind. In 2010 wird wohl eine Welle weiterer Gerichtsverfahren auf die Kostenträger zukommen. Gesetzliche Änderungen sind nach Kenntnis der Fachgruppe derzeit noch nicht einmal geplant.
Eine Einladung der BV Studenten neuropsychologische Tätigkeiten auf der Jahreskonferenz vorzustellen, konnte aus terminlichen Gründen 2009 keine aus der Leitung folgen.